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Infos

Xuan Tinh Herfort trägt als Director Indochina die Verantwortung für Aktivitäten des Diplomatic Council auf den Festlandgebieten Südostasiens einschließlich Vietnam, Kambodscha und Laos. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin von Indochina Travels und Gründerin der Incoming-Agentur Indochina Pearls. 2016 wurde Herfort von der Stadt Frankfurt als „Herausragende Persönlichkeit mit Migrationshintergrund“ ausgezeichnet.

Frau Herfort, Sie haben die touristische Entwicklung des Landes von Beginn an miterlebt und begleitet. Wo geht die Reise hin?

Mitte der 90er, nach der Öffnung des Landes für den Tourismus, mangelte es an englischsprachigen Reiseleitern. Das war für mich die Chance, während meines Studiums als Reiseleiterin arbeiten zu dürfen. Später im Jahr 2004 habe ich erste Reisen für Deutsche nach Vietnam organisiert. Damals galt das Land für viele Reisende als sehr exotisch und niemand hat mit mir über Tourismus und Urlaubsreisen gesprochen. Das Land wurde mit dem Vietnam-Krieg und ich eher mit einer jungen und schlanken vietnamesischen Dame aus Filmen wie „Good Morning Vietnam“ in Verbindung gebracht. 2008 habe ich auf die immer größer werdende Nachfrage nach Reisen reagiert und Indochina Travels gegründet. Von 2012 bis heute hat sich Vietnam vom Modeziel zu einem wahren Trendziel entwickelt.

Nehmen Sie uns mit nach Vietnam und lassen Sie uns teilhaben an Ihren persönlichen Erfahrungen und Ihren Expertentipps!
Die Halong-Bucht ist natürlich ein „Must-see“, aber viele vergessen, dass die Halong-Bucht ebenso ein idealer Ort zum Baden ist. Denn das ist dort fast ganzjährig möglich, außer im Winter. Zwei Übernachtungen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes in der Halong-Bucht sind ein großartiges Erlebnis abseits der Touristenströme!
Auch Hanoi, das Paris des Ostens, ist immer eine Reise wert. Die Hinterlassenschaften der Franzosen aus der Kolonialzeit erinnern an berühmte französische Bauwerke, wie die St. Josephs Kathedrale in Hanoi an die Notre Dame und die Long Bien Brücke an den Eiffelturm in Paris. Die koloniale Architektur fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Insbesondere in Hue wird das Stadtbild von radelnden Vietnamesinnen im sog. Áo dài, der figurbetonten vietnamesischen Nationaltracht aus dünnem Seidenstoff geprägt. Jedes Mädchen und jede Frau besitzt das lange Kleid, das bis über die Hüfte hochgeschlitzt und in vielen Schulen Pflichtuniform ist. Auch ich habe das Áo dài als Schülerin getragen und die spezielle Technik erlernt, um mit dem Kleid korrekt umgehen zu können und darauf zu achten, dass es am Ende des Tages nicht zerknittert ist – ganz im Einklang mit dem Wind.

Als Kind wirkte die Küste in Zentral-Vietnam auf mich wie eine menschenfeindliche und leblose Gegend, mit viel heißem Sand und heftigen Winden. Heute ist sie ein echtes Paradies. Wunderschöne Strandhotels wie in Hoi An, der kleinen old romantischen und Hafenstadt, in der – wie sonst nirgends in Vietnam – Einheimische und Ausländer eng miteinander leben. In Hoi An sollte man zwei Nächte einplanen und durch die mittelalterlichen und malerischen Gassen mit ihren kleinen Cafés und schicken Restaurants schlendern.

Seit ich in „Frankfurt-Dorf“ lebe, vermisse ich insbesondere das bunte Treiben in den Straßen Saigons. Ich empfehle Urlaubern eine Vespa-Tour durch die Stadt bei Nacht – natürlich als Beifahrer. So können Sie Saigon hautnah erleben und sind mittendrin im Geschehen. Der Halt an verschiedenen vietnamesischen Restaurants, den besten Garküchen und natürlich der Besuch eines Nachtclubs mit Livemusik sind ein echter Spaß.

Wer Einblick in das vietnamesische Alltagsleben bekommen möchte, für den eignen sich die sogenannten „Homestays”, die Übernachtung bei Gastfamilien. Insbesondere in den ländlichen Regionen in den nördlichen Bergregionen und im südlichen Mekong-Delta ist die für Vietnam typische Unterkunftsart verbreitet. Wegen des „Kulturschocks“ aber bitte nicht länger als zwei Nächte.

Nicht zuletzt hat mindestens die Hälfte aller deutschsprechenden Reiseleitern in Vietnam vorher in der ehemaligen DDR studiert oder gearbeitet. Ihre Verbindungen und Emotionen zu Deutschland sind sehr stark. Deshalb macht die Tourguides ein kleines Geschenk aus Deutschland oft sehr glücklich und fördert das Miteinander auf Reisen.
Vietnam ist ein Land der Kulturen. Der Name Vietnam bedeutet „Viet Volk aus Südchina“.
Die bewegende Geschichte des Landes, die chinesischen sowie europäischen Einflüsse und die verschiedenen Glaubensrichtungen haben die Kultur und die Mentalität der Menschen geprägt und dazu beigetragen, dass die Vietnamesen sanft, verständnisvoll und sehr tolerant gegenüber Ausländern sind.

Mein Uropa sprach Chinesisch, mein Opa Französisch, mein Vater Russisch und mein Onkel Deutsch. Ich habe Russisch, später Englisch und natürlich Deutsch gelernt. Inzwischen erfreut sich Mandarin immer größerer Beliebtheit in Vietnam, ein wahres Sprachenkarussell. Vietnam ist das asiatische Land, in dem so viele Leute der deutschen Sprache mächtig sind. Eins ist sicher: wer auch immer als Reisender nach Vietnam kommt, er wird verstanden!

Wann ist beste Zeit für eine Reise nach Vietnam?

Nach Vietnam kann man das ganze Jahr über reisen. Die beste Reisezeit Hanoi zu erleben, ist der Herbst. Im Sommer reist man am besten nach Zentralvietnam: Perfektes Wetter, um eine fantastische Strandauszeit zu genießen und wenn im Süden Regenzeit herrscht. Ho-Chi-Minh-Stadt sollte man am besten zwischen November und April entdecken, aber auch in der Regenzeit, denn die Sonne scheint immer und der Regen hält meist nicht lange an.
Welches kulinarische Highlight sollten sich Reisende auf keinen Fall entgehen lassen?

Baguette! Spaß beiseite: Essen ist den Vietnamesen heilig. Eine wohlschmeckende Pho ist für die Vietnamesen mehr als nur eine normale Nudelsuppe – die Pho ist das vietnamesische Kultgericht und muss unbedingt probiert werden. Die Zutaten „Chinesische Nudeln“, „Französisches Rindfleisch“ und Kräuter, Koriander, Gewürze, Zitrone, kurz gesagt „die vietnamesische Leichtigkeit“, machen die Suppe intensiv, zugleich aber auch fein und klar. Es gibt viele Varianten. Mein Geheimtipp ist die Pho Bat Dan.

Bei der Zubereitung eines jeden Gerichts legen die Vietnamesen großen Wert auf die richtige Balance nach den Yin und Yang-Prinzipien. Die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Metall und Holz spielen bei der Zubereitung von Speisen eine große Rolle und widerspiegeln sich in Geschmack und Farbe der Gerichte. Sie werden so zubereitet, dass die ausgeprägten Aromen in Kontrast zueinander stehen. Ebenso bedeutend sind die "wärmenden" und "kühlenden" Eigenschaften der Zutaten, damit eine für den Körper wohltuende Ernährung erzielt werden kann. Es hat nichts mit der Temperatur zu tun, z.B. Hühnchenfleisch ist „heiß“ und wird daher mit Zitronensalz gegessen. Meeresfrüchte sind „kalt“ und werden sehr gerne mit Chilli und Ingwer gegessen. Entenfleisch wird als „kühl“ eingestuft und wird häufig mit Ingwer-Fisch-Sauce gegessen. Wassermelone ist „heiß“, ebenso wie Ananas etc..

Wenn Sie es im Urlaub mal wie die Vietnamesen machen wollen – essen Sie dreimal am Tag, und das am besten heiß!